Vergewaltigung im Rathaus Bottrop

Kapp-Putsch | | 1920

Am 27. April 1920 wurde die 19jährige Maria Lippert in Bottrop , die von einer Betschwester denunziert worden war, von einem Trupp Loewenfeldern in ihrer Wohnung verhaftet, nach dem Verbleib ihres Verlobten und ihrer Brüder gefragt, mitgenommen und ins Rathaus geschleppt, in dessen Kellerräumen die Marinebrigade hauptsächlich prügelte. In  fortgesetzten, von ständigen Schlägen begleiteten Verhören wurde sie zunächst beschuldigt, einen Pferdediebstahl begangen zu haben, dann: als Sanitäterin in der Roten Armee gewesen zu sein.

Am zweiten Tag wurde sie schließlich über einen Schemel gelegt, den sie selbst herbeiholen und hinstellen mußte, und mit Reitpeitsche und Gummiknüppel fast bewußtlos geschlagen. Anschließend wurde sie von dem Sergeanten Adler vergewaltigt, wobei die anderen sie festhielten , zuletzt  — es stockt einem der Atem — stieß man ihr einen Gummiknüppel in die Scheide.

Am folgenden Tag kam Adler erneut, lud vor ihren Augen einen Revolver, setzte ihn ihr auf die Brust und vergewaltigte sie ein zweites Mal. In Essen , wohin sie dann von der Marinebrigade abgeschoben wurde, erhielt sie eine Anklage vor dem außerordentlichen Kriegsgericht; am 15. Mai wurde sie freigegesprochen.

Quelle: VfrR , 28. Mai 1920 ; Düwell S. 51; RT , Anlagen , Bd. 383, Nr. 577 ; Arch. Forsch. II S. 861f – hier bei Lucas Märzrevolution III (1978) –

Lucas schreibt dazu: „Wegen seiner besonderen Umstände gehört auch der einzige Fall einer Vergewaltigung hierher (daß während des militärischen Einmarsches ins Revier auffälligerweise zahlreiche Frauen erschossen, niemals jedoch Frauen vergewaltigt wurden, wurde bereits gesagt).
Lucas nennt in den Anmerkungen dazu noch einen Fall, den er jedoch nicht für glaubwürdig hält – eher „wie das Produkt und Wünschen und Projektionen des Aussagenden“
( prot. Aussage von Brohl , in VstH 15.4.1920 = FPE 17.4.1920 = BAst 19.4.1920 = Arch. Forsch. II S. 843 , übernommen von Ernst S. 68f = Ill. Geschichte S. 506 .