SPD gegen die Revolution

Die Nachrichten aus Kiel riefen in der Regierung Unruhe und Panik hervor. Am 4. November telegraphierte Prinz Max von Baden an Generalleutnant Groener nach Spa, er möge so schnell wie möglich nach Berlin kommen. Der Kanzler wollte mit ihm, dem Ersten Generalquartiermeister, die militärische Lage und die Niederwerfung der revolutionären Bewegung beraten. Max von Baden glaubte auch jetzt noch, mit den „Aufrührern“ kurzen Prozeß machen zu können. Gleichwohl begriff er, daß die Monarchie zusammenbrechen würde, wenn nicht sofort etwas geschehe. Aber ohne die Oberste Heeresleitung konnte die Regierung nicht handeln, denn diese verfügte über die militärischen Machtmittel.

Noch bevor Wilhelm Groener in Berlin eintraf, berieten die Staatssekretäre am Morgen des 4. November die durch die Vorgänge in Kiel entstandene Lage. Der Staatssekretär des Reichsmarineamtes, Ritter von Mann, schlug vor, daß sich unverzüglich sozialdemokratische Abgeordnete nach Kiel begeben sollten, um auf die Stimmung der rebellierenden Massen einzuwirken. Das Kabinett beschloß, sofort den Staatssekretär Conrad Haußmann nach Kiel zu entsenden. Auf Empfehlung der Führung der SPD begleitete ihn der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Gustav Noske.

Was damit bezweckt wurde, erklärte Philipp Scheidemann einige Tage später: „Jetzt heißt’s, sich an die Spitze der Bewegung stellen, sonst gibt’s doch anarchische Zustände im Reich.“ Die rechten Führer der Sozialdemokratie griffen jetzt verstärkt ein, um die begonnene Revolution aufzuhalten und dem deutschen Monopolkapital, angesichts der unmittelbaren Bedrohung seiner Machtpositionen, zu Hilfe zu kommen. Diese Politik gegen die Volksrevolution setzte den Verrat vom 4. August 1914 fort.

Die Reichsregierung veröffentlichte die Aufrufe „Seeleute! Arbeiter!“ und „An das deutsche Volk“. Sie versuchte, die Werktätigen zu beschwichtigen. Um die Massen einzuschüchtern und vom revolutionären Kampf abzuhalten, malte sie das Gespenst des Bürgerkrieges an die Wand. Gleichzeitig bereitete die Regierung ihrerseits die gewaltsame Unterdrückung der Volksmassen vor.