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Revolution 1918-1919
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Luxemburg-Liebknecht-Mord
- Ungesühnt und Unvergessen
Politische Morde in Weimar
- Auf dem rechten Auge blind


Massenkundgebung von Industriearbeitern

29. November 1918

Deutsche Revolution 1918 Bremer Räterepublik Protokolle

Nachdem als letzte mit klingendem Spiel eines Trommler- und Pfeiferkorps und mit Fahne die Arbeiterschaft der Atlaswerke angerückt war, setzte eine Bewegung der Menge vom Marktplatz nach dem Domshof ein, der gerade Raum genug bot, die ganze Ansammlung aufzunehmen. Von einem Balkon der Deutschen Bank aus musterte Herr Knief (IKD) seine Heerscharen; neben ihm dirigierte die Genossin Frau Ahrens (IKD) durch Hand- und Armbewegung die Gesamt-aufstellung. [. . .]

Dann nahm Herr Knief das Wort und führte aus: Die Arbeiter seien nicht zusammengerufen, um den Arbeiterrat zu bekämpfen, sondern nur, um ihm ihre Forderungen zu unter-breiten. Die allgemeine Volksbewegung, aus der auch der A.-und S.-Rat hervorgegangen sei, beginne zu einer Klassenbewegung der Arbeiter zu werden. In diesem Augenblick sei es notwendig, daß die Arbeiterschaft ihre Forderungen klipp und klar erhebt. Es handle sich um einige wichtige politische Fragen, so die der Nationalversammlung, für die lebhaft agitiert werde. Das eigentliche Produkt der Revolution seien aber die A.- und S.-Räte, und diese gelte es zu schützen.

Der Klassenkampf der Arbeiter gehe gegen die Bourgeoisie, der aber eine Nationalversammlung wieder zur politischen Herrschaft verhelfen würde. Deshalb sei es in diesem Stadium notwendig, die A.- und S.-Räte in Schutz zu nehmen gegen jeden Versuch, sie durch eine Nationalversammlung wieder zu erledigen. Der Kampf sei aber nicht möglich ohne Machtmittel. Das alte Heer bestehe nicht mehr, und so müsse die Arbeiterschaft sich ein Arbeiterheer schafren, um so mehr, als die Bourgeoisie die Trümmer des alten Heeres gegen die Arbeiterschaft zu sammeln bemüht sei.

Nachdem die Bourgeoisie so lange das Heer zum Niederhalten der Arbeiterschaft benutzt habe, fordern diese jetzt mit demselben Recht die Entwaffnung der Bourgeoisie und Bewaffnung des industriellen Proletariats. Ferner müsse gefordert werden, daß die Bremer Bürger-Zeitung der Arbeiterschaft zurückgegeben werde. Das solle nicht mit Hilfe eines Putsches geschehen. [. . .]

Man habe den Arbeiterrat aufgefordert, heute in der Börse anwesend zu sein, um die Forderungen der Arbeiterschaft entgegenzunehmen. Man möge nun Delegierte mit den Forderungen entsenden und den Arbeiterrat ersuchen, hier zu erscheinen, um den Arbeitermassen seine Antwort kundzugeben. Pflicht der Arbeiter bleibe es, den A.- und S.-Rat zu überwachen. Man wolle dem A.- und S.-Rat nicht etwa zu Leibe gehen, sondern nur dafür sorgen, daß er die Interessen der Arbeiter gegenüber dem Bürgertum entschieden wahrnehmen kann.

[...]Knief schloß mit der Mahnung, des Ernstes der Stunde bewußt zu bleiben, Ruhe und Ordnung zu bewahren, denn die Genossen seien nunmehr selbst die Träger der neuen Ordnung [...] Er schritt dann zur Abstimmung durch Handaufheben. Nachdem sich für die erste Forderung eine überwiegende Mehrheit und bei der Gegenprobe nur eine belanglose Minderheit ergeben hatte, unterließ man bei den weiteren Punkten die Abstimmung, so daß die »einstimmige« Annahme von oben herab verkündet werden konnte.

Eine von Knief vorgeschlagene und angenommene Abord-nung, darunter er selbst, Frau Ahrens (IKD), Herr Dannat (IKD) und drei weitere, begab sich nun zur Börse, um die Forderungen dem Arbeiterrat zu überbringen. [. . .]

-

Protokoll der Sitzungen des Arbeiter- und Soldatenrats in Bremen, Sitzung 29. November 1918. Seite 20-22 , im Protokoll nach den Tageszeitungen wiedergegeben - abgedruckt in Revolution und Räterepublik in Bremen (1969)




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1918-11-29



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