Militär setzte schwere Waffen gegen Bevölkerung in Halle ein

Das Militär begann schon am Sonnabend, dem 20. März 1920, mit neuen Absperrungen, und bereits um 11 Uhr vormittags waren neue Kämpfe im Gange. Das Gamisonkommando hatte den Waffenstillstand durchbrochen, indem es am Vormittag zwei Kompanien über die Peißnitzbrücke nach Nietleben vorschickte. Panzerautos rasten auch an diesem Tag wie toll in der Stadt herum und richteten großes Unheil an.

So meldet der Polizeibericht vom 20.3.: Vormittags wurde der Magistratsbeamte Mehlhom in der Nähe des Leipziger Turmes durch einen aus einem Panzerauto abgegebenen Gewehrschuß leicht verletzt. : Um die gleiche Zeit wurden von der Besatzung desselben Panzerautos ein Schlosserlehrling durch Halsschuß, ein Kaufmann durch Knieschuß, ein Arbeiter durch Beinschuß, eine Frau durch  Gesäßschuß und eine andere Frau durch Lungenschuß in der Leipziger Straße verwundet.

Gegen  Abend wogte der Kampf besonders im Glauchauer Viertel, das von der Arbeiterschaft besetzt war. Das Militär wandte beim Kampf rücksichtslos in der Nacht und in den folgenden Tagen alle modernen Mordwaffen, darunter schwere Minenwerfer, an.