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Bürgerkrieg

1924 erschien von Hermann Schützinger ein kleines Buch mit dem Titel "Bürgerkrieg". Der Verfasser war höherer Polizeioffizier in der staatlichen preußischen Polizei. Sein Ziel ist es, die richtige Strategie und Taktik bei der Bekämpfung von Aufständen, sei es von links oder von rechts zu entwickeln. Für Schützinger ist es selbstverständlich, daß nicht nur die Polizei, sondern auch das Militär im Innern zur „Erhaltung des Staates", der „demokratischen Republik" eingesetzt wird. Wichtig ist Ihm die Frage, nach welchen Grundsätzen der Einsatz erfolgt und seine Stellungnahme geht dahin, daß das nicht die Grundsät-ze des Militärs sein dürfen, die auf Vernichtung des Gegners zielen, sondern „die Polizei-Technik und -Taktik".

Bei Aufständen von links zum Beispiel, argumentiert Schützinger, Ist es keine Kunst, militärisch gegen die rebellierenden Arbeiter vorzugehen; das Ergebnis wird sein, daß sie erst recht Ins Lager der Kommunisten („kleine Clique von Narren und Desperados") getrieben werden. „Viel höher steht uns jedoch das Ziel, den Brandherd eines rebellierenden Industriegebietes zu löschen durch die gefühlsmäßige und tatsächliche Trennung der staatstreuen Arbeiterschaft von den antirepublikanischen Kampfgruppen und die Bändigung dieser aktivistischen Reste durch Isolierung und möglichst unblutige Beugung unter Recht und Gesetz." Diese Ausführungen, die Verfeinerung der alten „RädeIsführer"-Theorie, sind sozusagen die Anfänge der Polizeipsychologie in Deutschland.

Dabei ist es interessant zu sehen, wie die eigentlichen politischen Fragen zu Fragen der  psychologisch geschickten Behandlung der Massen werden. Am Beispiel des Arbeiteraufstands von 1920 an der Ruhr (nach Schützinger der bisher einzige Arbeiteraufstand in Deutschland, der bis zum höchsten Stadium kam, nämlich zur Bildung einer geschlossenen Front gegenüber Militär und Polizei): hier seien, so Schützinger, von der militärischen Führung "Fehler" und "Dummheiten" gemacht worden, z. B. als der Vormarsch ins Ruhrgebiet vor den vertraglich festgesetzten Terminen begonnen wurde, als Standgerichte eingesetzt wurden, oder auch als zu Beginn des Aufstandes Truppen unter der alten Flagge der Monarchie ins Aufstandsgebiet einmarschierten. Solche "Fehler" und "Dummheiten" sollen künftig durch "staatsbürgerliche" Erziehung von Polizei und Militär vermieden werden.

In gewisser Weise kann Schützinger als Sprachrohr seines obersten Vorgesetzten verstanden werden, eines führenden Sozialdemokraten, der 1919 von den beiden Regierungen des Reiches und des Landes Preußen als politischer Kommissar ins Ruhrgebiet entsandt wurde, und der dann selbst ab 1920 als preußischer Innenminister die von Schützinger formulierten Grundsätze in der staatlichen Polizei praktisch durchsetzte: Carl Severing . 1927 veröffentlichte Severing seine Erinnerungen an seine Tätigkeit im Ruhrgebiet unter dem Titel "1919 / 1920 im Wetter- und Watterwinkel".

in Erhard Lucas : Märzrevolution im Ruhrgebiet , Band I

  Eine lebensgefährliche Bedrohung für die Weimarer Republik

(Der Militärputsch vom 13. März 1920)

Der Militärputsch vom 13. März 1920 war eine lebensgefährliche Bedrohung für die junge Weimarer Republik. Der politische Kopf der Putschisten, der rechtsradikale Politiker Woifgang Kapp, hatte ein Programm, das auf eine Kanzlerdiktatur, die Entmachtung der Parteien und den Einbau aller Verbände einschließlich der Gewerkschaften in einen autoritären Korporativstaat hinauslief. Das Unternehmen einmal in Gang gesetzt, konnten die Putschisten hoffen, daß die Dynamik von Putsch und Bürgerkrieg das Militär in die politische Schlüsselposition bringen würde. Wenn sie gesiegt hätten, wäre ein politisches System nach Art von Franco-Spanien die Folge gewesen.

  Wir brauchen Ordnung und Sicherheit

(12. November 1918)

Das deutsche Volk steht am Anfang einer neuen Zeit. Alte soziale Gegensätze sollen ausgeglichen werden. Auch wer mit seinem Herzen am Althergebrachten hängt, darf nicht abseits bleiben, sondern muß, ein Jeder auf seinem Posten, mitarbeiten. Es gilt die Entwicklung in geordnete Bahnen zu leiten. Wir wollen keinen Bürgerkrieg; mehr denn je brauchen wir Ordnung und Sicherheit.

  Rat der Volksbeauftragten in Bremen ruft Räterepublik aus

(10. Januar 1919)

Einwohner Bremens! Die Entscheidung ist gefallen!
Um nicht mit in den selbstmörderischen Zusammenbruch der kapitalistischen Wirtschaftsordnung hineingerissen zu werden, hat das werktätige Volk Bremens, das revolutionäre Proletariat, sein Schicksal in die eigene Hand genommen! Über Bremen ist das Standrecht verhängt! Die gesamte wirtschaftliche und politische Macht liegt in den Händen der proletarischen Volksregierung. Bremen ist eine selbständige sozialistische Republik! Der Senat ist abgesetzt!

  Reichsregierung abgesetzt

(Samstag, 13. März 1920)

Aus Berlin kommt die Meldung, daß die Gegenrevolution von rechts die Reichsregierung für abgesetzt erklärt, die Auflösung der Nationalversammlung und der Preußischen Landesversammlung ausgesprochen hat. Die Reichsregierung amtiert jedoch außerhalb Berlins weiter. Damit tritt an alle besonnenen Volksgenossen die Aufgabe heran, das Vaterland vor neuem Bürgerkrieg zu schützen, die kaum erst geschaffene neue Staatsregierung aufrecht zu erhalten und die junge deutsche Republik angesichts der an ihren Grenzen stehenden fremden Truppen gegen verhängnisvolle Putschversuche zu verteidigen.

  Hallesche Zeitung lobt Putschisten

(Sonntag, 14 März 1920)

„Am 14.3. pries das deutschnationale Organ, die " Hallesche Zeitung ", die ruhige Besonnenheit, die zielklare Sicherheit und die staatsmännischen Führereigenschaften des neuen Reichskanzlers Kapp . Sie begrüßte die Hochverräter-Regierung als die Regierung der Zukunft und rief ihr zu: "Vorwärts mit Gott, für Volk und Vaterland." Männer des Vorstandes der Deutschnationalen Partei, an der Spitze Herr Dr. Blümel, beflaggten ihre Häuser, und Schüler und Schülerinnen des Deutschnationalen Jugendbundes schmückten sich im Übermaß ihrer "politischen Reife" mit schwarz-weiß-roten Schleifen... Auch die Deutsche Volkspartei mußte mit von der Partie sein und schickte ein Glückwunschtelegramm an Kapp , Bredereck und Genossen."



11 Beiträge zu Bürgerkrieg im Archiv (3 Seiten, 5 pro Seite)

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Werke

Deutsche Revolution - (663 mal gelesen)

1920 - die CD:

Grenzgänger & Frank Baier: 1920 - Lieder der Märzrevolution
(Preis der deutschen Schallplattenkritik)

Das ist ein pures intellektuelles und ästhetisches Vergnügen, lehrreich und unterhaltsam zugleich. Diese CD gehört in jede Schulbibliothek. Auch wenn sie, was zu befürchten ist, beim nächsten PISA-Test nicht abgefragt werden sollte. Thomas Rothschild (Titel-magazin.de)

mit 68seitigem Booklet

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Bei der Erstellung des 68-seitigen Booklets war die Geschichtswerkstatt Oberhausen von großer Hilfe:
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