WTB

| 1900

Der Geschäftsführer der Nationalzeitung, Bernhard Wolff, gründete das Wolffsche Telegrafenbüro, weniger Wochen nachdem Preußen die 1848 die elektrischen Telegrafen freigegeben hatte. Wollf versuchte die hohen Telegrafenkosten zu senken, in dem er seine erhaltenen Nachrichten an andere Zeitungen weiterverkaufte. Die Telegrafen machten es nötig, dass ständig jemand vor dem Gerät saß und die eingehenden Nachrichten sammelte. Da dies sehr teuer war, war es sinnvoll, die Kosten zu teilen. So arbeiten heute übrigens auch freie Mitarbeiter: Sie verkaufen ihre Artikel mehrfach, da kaum eine Zeitung allein so gut zahlt, dass der Journalist davon leben könnte.

Als Reuter Wolff Konkurrenz machen wollte, erkannte Bismarck die politische Bedeutung einer gut arbeitenden Nachrichtenagentur. Er entzog Reuter in Deutschland die Lizenz, sorgte dafür, dass Banken Wolffs Unternehmen stützte und konnte im Gegenzug auf die Nachrichten zugreifen, die in der Folge auch regierungsfreundlich waren. Dafür konnte sich Wolff seines Monopols sicher sein. Er war zwar noch privat organisiert, handelte aber im staatlichen Sinne. In Russland und Österreich gründeten die Regierungen gleich selbst die Nachrichtenbüros.

Quelle: Journallexikon


"WTB" im Archiv:

  • Der Mord an Kurt Eisner
    Kurt Eisner war Führer der Münchener Revolution vom 7. November und seither Ministerpräsident. Am 21. Februar wurde er auf dem Weg zum Landtag, wo er seinen Posten wegen der heftigen Angriffe gegen ihn niederlegen wollte (Mitteilung des WTB. vom 21. 2. 1919), in der Münchner Prannerstraße von dem [ rechtsradikalen ] 22-jährigen Leutnant Anton Graf […]
  • Programm der Putschisten
    Reich und Volk sind in schwerer Gefahr. Wir nähern uns mit rasender Geschwindigkeit dem vollkommenen Zusammenbruch des Staates und der Rechtsordnung. Das Volk fühlt nur dumpf das kommende Unheil. Die Preise steigen unaufhaltsam. Die Not wächst. Hungersnot droht. Korruption, Wucher, Schieberei und Verbrechen treten mit immer größerer Frechheit auf. Die autoritätslose, ohnmächtige und mit der […]
  • Rechtsradikale Clique
    Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: In Berlin setzte seit einiger Zeit das Treiben einer rechtsradikalen Clique ein, deren Bestrebungen auf einen gesetz- und verfassungswidrigen Umsturz hinauslaufen. Sie versuchte auch militärische Stellen für ihre Pläne zu gewinnen. Es kann festgestellt werden, daß die in Opposition gegen die Regierung stehenden Rechtsparteien der Nationalversammlung sowie der preußischen Landesversammlung […]
  • Schutzhaft vor dem Kapp-Putsch
    Wie wir erfahren, wurde gegen den Generallandschaftsdirektor von Kapp,  den Hauptmann a.D. Pabst , den Schriftsteller Gradowski und den Schriftsteller Schnitzler die Schutzhaft verhängt unter der Begründung, daß sie Umtriebe gegen die Regierung zu planen schienen. Kapp und Pabst waren bisher nicht aufzufinden. Schnitzler befindet sich bereits in Schutzhaft, Gradowski liegt krank zu Bett. Auf […]
  • Todesstrafe für Streik
    Die Rädelsführer, die sich der in der Verordnung zur Sicherung volkswirtschaftlich wichtiger Betriebe und in der Verordnung zum Schutze des Arbeitsfriedens unter Strafe gestellten Handlungen schuldig machen, werden ebenso wie die Streikposten mit dem Tode bestraft. § 2. Diese Verordnung tritt am 16. d. Mts., 4 Uhr nachmittags,  in Kraft. Verordnung Kapps über die Todesstrafe […]
  • Verordnung des Generals Lüttwitz gegen den Generalstreik
    Verordnung zur Sicherstellung volkswirtschaftlich wichtiger Betriebe. Alle Leben, Gesundheit und Sicherheit des deutschen Volkes gefährdenden Arbeitseinstellungen müssen verhindert, böswillige Störung volkswirtschaftlich wichtiger Betriebe mit der Strenge des Gesetzes bestraft werden. Es wird daher verordnet: § 1. Die in volkswirtschaftlich wichtigen Betrieben beschäftigten Personen (Arbeiter und Angestellte) dürfen, außer im Falle nachgewiesener Arbeitsunfähigkeit, weder die Arbeit […]


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