Tucholsky

| 1920

Kurt Tucholsky, einer der klügsten und besten Journalisten der Weimarer Republik, schrieb zahlreiche Artikel über Revolution und Konterrevolution und die Verkommenheit der Führer der Sozialdemokratie.


"Tucholsky" im Archiv:

  • Achtundvierzig
    Siebzig Jahre ist das nun her. Siebzig Jahre wiegen so schwer. Schwarz-rot-goldene Fahnen flatterten Vater Wrangels Musketen knatterten – Wofür? Wie glühten die Herzen! wie glühten die Köpfe! Kampf! Kampf gegen die Bürgertröpfe gegen die nickenden Zipfelmützen – Klatschen in trübe Fürstenpfützen – Und dann? Der große Sieg in den siebziger Jahren ist uns verdammt […]
  • Berliner Kämpfe
    Revolution? Aber kein Gedanke! Es brodelt im Hexenkessel der Panke es hupen die Autos, es knattern die Flinten Demonstrationen vorne und hinten – Tun sie auch so wie die Menschenfresser die Panke war stets ein stilles Gewässer. Jahrelang – bängliches Zögern und Drehen. Jahrelang – wir werden ja sehen! Jahrelang – Krupp und Tirpitz sollen […]
  • Der Bürgergeneral – Das System Noske
    Die Intelligenz, die gesamte anständige Arbeiterklasse ist sich über die Ethik eines Mannes klar, der, viel zu dumm, den revolutionären Gedanken des Antimilitarismus zu begreifen, seine frühem Klassengenossen durch ihre erbittertsten Feinde im Namen der Republik erschießen, erstechen, einsperren, ins Wasser werfen, treten und beleidigen ließ. Wie ein Schrei ging das im März 1919 durch […]
  • Die Kinderhölle des Kapitalismus
    Wer einen Erwachsenen leiden sieht, kann allenfalls noch hartherzig vorbeigucken. Aber wer ein Kind leiden sieht, dem läuft es, wenn er noch ein einigermaßen anständiger Kerl ist, dreimal den Buckel herunter. Beim Kind liegt noch offen zutage, was der liebe Gott mit den Menschen eigentlich vorgehabt hat. Beim Kind wirkt Schmerz und Elend doppelt stark, […]
  • Marburger Studentenlied
    Stimmt an mit hellem, hohem Klang, stimmt an das Lied der Lieder! Des Vaterlandes Hochgesang, das Waldtal hallt ihn wi-hi-der! Der alten Barden Kriegsgericht, dem Kriegsgericht der Treue – wir wissen, du verknackst uns nicht – dir weihn wir uns aufs Neue! Wir fingen fuffzehn von dem Pack, das unser Preußen schädigt. Es war ein […]
  • Mechterstädter Morde
    Am 24. März 1920 besetzten die Studenten unter Führung eines von Selchow Thal [Bad Thal] , die Unterführung hatte ein Herr Baldus . Der Gendarmeriewachtmeister Heß aus Thal setzte sich mit Herrn Baldus in Verbindung und übergab ihm eine Liste von Menschen, die als Haupträdelsführer der Roten Armee bezeichnet wurden. Wie gearbeitet worden ist, kann […]
  • Neutrales Komitee für Max Hoelz
    ,,Die deutsche Bürgerkriegsjustiz ist eine Wiedergutmachung schuldig. Es ist bis nahe an die Gewißheit wahrscheinlich, daß der Kommunist Max Hoelz seine Zuchthausstrafe seit fünf Jahren schuldlos verbüßt, wenigstens an der Sache, um deren Willen er für lebenslänglich eingesperrt wurde”, forderte der Berliner Börsenkurier. Ein ,,Neutrales Komitee für Max Hoelz” trat am 23. April 1927 mit […]
  • Offizier und Mann
    Das Verhältnis des deutschen Offiziers zum Mann war schlecht. Der Offizier lebte in einer ganz andern Welt und sah den Mann nicht nur von oben herab, sondern außerdienstlich am liebsten gar nicht an. Die Lebenshaltung beider war vollkommen verschieden, und bis zur Lächerlichkeit ungerecht verschieden: der Mann bekam zu Anfang des Krieges dreiunddreißig Pfennige täglich, […]
  • Politische Morde in der Weimarer Republik
    E. J. Gumbel hat im Verlag Neues Vaterland ein kleines Buch erscheinen lassen: ›Zwei Jahre Mord‹. Es ist die wichtigste Publikation der letzten drei Jahre. E. J. Gumbel hat die politischen Mordtaten der Jahre 1918 bis 1920 kühl und sachlich gesammelt, alle, die von rechts und die von links, und er hat gleichzeitig ihre gerichtliche […]
  • Prozeß Marloh
    Ceterum censeo, Noske esse eundum Der Spitzel einer Organisation, deren Mitglieder Mord und Totschlag brauchen, um ihre gut bezahlten Stellungen zu behalten, meldet dem Nachrichtenoffizier eines der Freikorps, die Volks-Marine-Division beabsichtige, in der Französischen Straße einen regierungsfeindlichen Putsch zu unternehmen. Die Meldung wird nicht geprüft, sondern mit Freuden aufgenommen, weitergegeben und übertrieben. Ein junger Offizier […]
  • Sozialdemokratischer Parteitag
    Wir saßen einst im Zuchthaus und in Ketten wir opferten, um die Partei zu retten, Geld, Freiheit, Stellung und Bequemlichkeit. Wir waren die Gefahr der Eisenwerke, wir hatten Glut im Herzen – unsre Stärke war unsre Sehnsucht, rein und erdenweit. Uns haßten Kaiser, Landrat und die Richter: Idee wird Macht – das fühlte das Gelichter […]
  • Verpflegung beim Militär
    Wenn der deutsche Soldat das bekommen hätte, was ihm zustand, so hätte er ausgiebig zu essen gehabt. Die Portionssätze waren so berechnet, daß jeder gut damit hätte auskommen können. Der deutsche Soldat bekam aber nur einen Teil seiner Verpflegung – der Rest wurde unterschlagen. Die Unehrlichkeit begann oben. Jedes Amt, durch das Lebensmittel gingen, behielt […]
  • Zwei Erschlagene: Liebknecht und Rosa Luxemburg
    Der Garde-Kavallerie-Schützen-Division zu Berlin in Liebe und Verehrung Märtyrer . . . ? Nein. Aber Pöbelsbeute. Sie wagtens. Wie selten ist das heute Sie packten zu, und sie setzten sich ein sie wollten nicht nur Theoretiker sein. Er: ein Wirrkopf von mittleren Maßen er suchte das Menschenheil in den Straßen Armer Kerl: es liegt nicht […]


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