Märzrevolution im Ruhrgebiet

| 1970

Im Vorwort schreibt Erhard Lucas :”Rote Armee” im Ruhrgebiet – fragt man heute Bewohner des Ruhrgebietes nach jenem aufregenden Geschehen im Jahre 1920, so erhält man von jenen, die etwas gehört haben oder sogar Augenzeugen waren in der Regel Antworten, die die Wirklichkeit geradezu auf den Kopf stellen. Man mache einen Test und frage nach dem Kampf um den Essener Wasserturm, so wird man fast immer die Geschichte zu hören bekommen, wie die “Roten” einige Dutzend brave Polizisten und Essener Bürger ,,viehisch abgeschlachtet” haben.

Das läßt sich nicht einfach damit erklären, daß die Ereignisse nunmehr 10 Jahre zurückliegen und das menschliche Gedächtnis über eine so lange Zeit hinweg die Dinge nicht mehr richtig erinnert. Das hängt vielmehr damit zusammen, wie das Geschehen von 1910 in der Folge dargestellt worden ist. Die Geschichtsschreibung wiederum ist nicht zufällig entstanden, sondern ist eín Produkt der deutschen Geschichte.

Die 12 Jahre nationalsozialistischer Herrschaft, unter der das Geschichtsbild von Männern wie Spethmann durchgesetzt wurde, haben das Geschichtsbewußtseln der deutschen Arbeiterklasse so gründlich zerstört, daß es vorerst fraglich Ist, ob es je wiederbelebt werden kann.

( Erhard Lucas , Juli 1970)


"Märzrevolution im Ruhrgebiet" im Archiv:

  • Das Ruhrgebiet vor der Revolution von 1918
    Die Revolte der Matrosen und Soldaten vom November 1918 fand im Ruhrgebiet so gut wie keinen Widerstand. Das überrascht nicht, hatte doch die preußische Militärverwaltung aus Sorge vor roter Infizierung der Truppe nur eine einzige Garnison im Revier errichtet, In Mülheim, dem ,,rheinischen Potsdam”. Und auch das hier liegende Reserveregiment schloß sich sofort der revolutionären […]
  • Demonstrant in Gladbeck getötet
    Während die Hamborner einen neuen Anlauf nahmen, erlosch der Streik zunächst In den Nachbarorten Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld . In Bottrop dagegen spitzte sich die Streiklage vorübergehend zu, als der mehrheitlich sozialdemokratische Arbeiter- und Soldatenrat versuchte, den Streik mit Militär einzudämmen, das er vom Bezirks-Soldatenrat Recklinghausen erbeten hatte. Blutige Zusammenstöße konnten gerade noch von herbeieilenden […]
  • Drohender Zusammenbruch der Gasversorgung
    Die allgemeine Spannung stieg ungemein an, und die Streikbewegung erreichte ein bisher nicht dagewesenes Ausmaß: am 10. Januar streikten über 11%, am 11. Januar knapp 16% der Bergleute aller Ruhrzechen. Schon mußte der Gasverbrauch in Essen und Duisburg drastisch eingeschränkt werden, und es war abzusehen, daß die Gasversorgung bald ganz zusammenbrechen wurde. Sozialisierung des Ruhrkohlenbergbaus In […]
  • Forderungen der Hamborner Bergarbeiter
    Am 23. November gestand der Zechenverband den Gewerkschaften gerinfügige Lohnerhöhungen zu, in der Hoffnung, daß es den Gewerkschaften mit diesem ,,Erfolg” in der Hand gelingen möge, die Hamborner Bergarbeiter zu disziplinleren. Das erwies sich als Felschlag, und zwar einfach deshalb, weil die im Kriege aufs äußerste ausgebeuteten und ausgehungerten Bergarbeiter weit größere Zugeständnisse der Unternehmer […]
  • Hamborner Forderungen
    Am 18. Dezember traf der Linkssozialdemokrat Ströbel , einer der beiden Vorsitzenden der preußischen Revolutionsregierung, aus Berlin im Revier ein, um die Streikbewegung durch Verhandlungen beizulegen. In einer großen Konferenz in Mülheim unter Ströbels Vorsitz gestand die Thyssen-Direktion ihren Belegschaften eine einmalige Zahlung von 100–200 Mark pro Bergmann sowie von 25 Mark für jedes Kind […]
  • Kommunistischer Vollzugsrat in Düsseldorf
    Die Nachrichten vom Januaraufstand in Berlin lösten im Ruhrgebiet bei den Anhängern der KPD eine Welle von Aktionen — In der Regel Zeitungsbesetzungen — aus. Die Kräfte der Kommunisten erwiesen sich jedoch überall als zu schwach, um wirkliche Machtpositionen zu erobern oder gar zu konsolidieren. Eine Ausnahme machten die Kommunisten in Düsseldorf . Ihnen gelang […]
  • Mauschelei zwischen Gewerkschaften und Zechenbesitzern
    Da sich die in der vorigen Konferenz vereinbarten Lohnerhöhungen als gänzlich unzureichend erwiesen hatten, gestanden die Zechenvertreter diesmal erheblich mehr zu: Erhöhung des Durchschnittslohns um 15% ab Beginn des neuen Jahres. Dafür präsentierten sie eine Gegenforderung: Zusage der Gewerkschaften ” die erforderliche Preiserhöhung für Kohlen, Koks und Briketts” (diese Preise waren seit der Kriegszeit noch staatlich […]
  • Nosketruppen schlagen Aufstand in Berlin nieder
    Am 5. Januar 1919 machten die Linksradikalen (in Berlin) im Anschluß an eine Riesendemonstration für den von der Regierung abgesetzten unabhängigen Polizeipräsidenten von Berlin einen halbherzigen Versuch, die Regierung zu stürzen:. Getragen wurde das Unternehmen von den revolutionären Obleuten, einem In der Kriegszelt gebildeten Kreis revolutionärer Gewerkschaftler der Berliner Metallindustrie — parteipolitisch Linksunabhängige und Anhänger […]
  • Revolution beginnt in Hamborn
    Tarifvertrag 1918 In einem ersten Abkommen vom 14. November erreichten die Bergarbeitergewerkschaften vom Zechenverband u. a. die Achtstundenschicht einschließlich Ein- und Ausfahrt. Bisher hatte die Arbeitszeit auf den Ruhrzechen unter Tage acht Stunden ausschließlich Ein- und Ausfahrt betragen. Angesichts der Tatsache, daß inzwischen eine Revolution stattgefunden hatte, war eine Verkürzung der Arbeitszelt um durchschnittlich eine halbe Stunde […]
  • Soldaten schiessen auf Streikende in Oberhausen
    Inzwischen dehnten die Hamborner Bergleute ihre Demonstrationszüge zu Zechen In der Umgebung bis nach Sterkrade und Osterfeld aus und brachten immer mehr Belegschaften zum Anschluß an den Streik. Auf der Gegenseite erhob sich ein immer allgemeiner werdender Ruf nach Militär. Am 26. Dezember entsandte das Generalkommando in Münster, die für das Ruhrgebiet zuständige oberste militärische […]


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