Loewenfeld

| 1879

In Bottrop-Kirchhellen gibt es eine Loewenfeldstraße – wer war dieser Loewenfeld? Um es vorweg zu sagen: Unserer Ansicht nach war Wilfried von Loewenfeld ein Faschist, Militarist und Anführer einer Mörderbande, die sich ,”Freikorps Loewenfeld” und ,”III. Marine-Brigade” nannte. Wir wollen dies hier mit Dokumenten, deren Herkunft wir jeweils nachgewiesen haben, belegen.

Unserer Meinung nach hat in keiner Stadt dieser Loewenfeld etwas auf einem Straßenschild zu suchen, kein “Ehrenmal” seiner Mörderbande das Stadtbild zu verschandeln und niemand ,”ehrendes” Angedenken an diesen Herrn und seine Meute abzuhalten. Denn “Ehrenmänner” waren Loewenfeld und seine Bande gegenüber Zivilisten und Gegnern wohl kaum. Sie können es hier nachlesen.

Eigentlich ist diese Dokumentation überflüssig. Jeder, der wissen will und wollte, kann und konnte Material über die Freikorps im allgemeinen und über Loewenfeld im Besonderen bekommen und – solange sie lebten – mit Zeitzeugen sprechen. Man muß(te) nur wollen! Die Mehrheit in der zuständigen Bezirksvertretung Kirchhellen lehnt noch immer eine Umbenennung der Straße ab, obwohl man ,”eigentlich” weiß… – heute, nach 80 Jahren!

J. Gingold und M. Gerber, Bottrop, im März 2000 –
Vorwort der Broschüre zu Loewenfeld, heraus gegeben von der DKP-Ratsfraktion Bottrop

Im Militärarchiv findet sich auch eine Art Lebenslauf von Herrn Loewenfeld, geschrieben von G. Schult, der angibt: “Von 1919 bis 1925 war ich sein Registrator”. Vermutlich stammt der Nachruf aus den fünfziger Jahren. Er wird im folgenden wörtlich und vollständig wiedergegeben:

Wilfned von Loewenfeld wurde am 25. September 1879 als Sproß einer alten Offiziersfamilie geboren und trat im April 1897 in die Kaiserliche Marine ein. Nach erfolgreicher Kadetten- und Offiziersausbildung wurde Kapitänleutnant v. Loewenfeld im Jahre 1912 Erster Offizier auf dem modernen Kleinen Kreuzer “Breslau” und nahm als solcher Anfang des ersten Weltkrieges an dem Durchbruch der Mittelmeerdivision nach den Dardanellen teil.

Im November 1915 übernahm er, von der Türkei zurückgekehrt, die Dienststellung des l. Offiziers auf dem 9000t großen Panzerkreuzer “Prinz Heinrich” und im August 1916 den Minendampfer “Deutschland” als Kommandant. Im weiteren Verlaufe des Krieges wurde Korvettenkapitän v. Loewenfeld Admiralstabsoffizier beim Befehlshaber der Marineanlagen Kurland, der l. Marinedivision und beim Admiral der Marine im Großen Hauptquartier (Seekriegsleitung), als dessen 1. Adjutant er das Ende von 1918 erlebte.

Seine Popularität erlangte die markante Persönlichkeit v. Loewenfeld als Kommandeur der 3. Marinebrigade – Freikorps Loewenfeld -, die sich aus freiwilligen Soldaten aller Dienstgrade zusammensetzte, im Kampf gegen die Insurgenten in Oberschlesien und im Kampf gegen die Spartakisten im Ruhrgebiet 1919 bis 1920. Infolge seiner Führernatur, seiner Strenge und doch Verständnis für alle menschlichen Schwächen und sein gutes Namengedächtnis – er kannte fast alle seine Getreuen beim Namen – mit Unterstützung seines l. Generalstabsoffiziers, Hauptmann von Bose, und einem Stab populärer Offiziere, dem späteren Generaladmiral Carls, dem berühmten U-Bootsoffizier V.  Arnauld de la Periere, Admiral Kolbe. Admiral v. Schrader, General Kleebe, sowie die gefallenen Offiziere Kukat und Mengdahl und eines Stammes bewährter Unteroffiziere wie die beiden U-Bootsmaate Döhring und Nischann (nur einige der gefallenen bzw. inzwischen verstorbenen sind genannt) hatte er eine gefestigte Truppe hinter sich, die einen kameradschaftlichen Zusammenhalt entwickelte, der über den Tod des Kommandeurs hinaus ging und noch heute lebendig ist.

Nach Auflösung dieses Freikorps – 31. 5. 20 in Sennelager – wurde der inzwischen zum Fregattenkapitän – 8. 3. 20 – und Kapitän z. S. – 1.12.21 – beförderte Seeoffizier in die Reichsmarine übernommen. Von 1922 – 23 führte er als Kommandant den nach dem Kriege wieder in Dienst gestellten Schulkreuzer “Berlin” zur Ausbildung des Marineoffiziersnachwuchses in außerdeutschen Häfen. Hierzu hatte er einen Stamm alter Freikorpsoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften mitgenommen. 1924 war v. Loewenfeld Chef des Stabes der Marinestation an der Ostsee, 1925 Leiter der Flottenabteilung im Reichswehrministerium und 1928, mit der Beförderung zum Konteradmiral, Befehlshaber der Seestreitkräfte der Ostsee und zugleich Führer des Verbandes der Aufklärungsstreitkräfte.

Am 31.12.28 erfolgte seine Verabschiedung aus dem Marinedienst mit dem Charakter als Vizeadmiral. Wilfried v. Loewenfetd war mit der Grafin Dorothee v. Bismarck-Schönhausen – einer Enkelin des Fürsten – verheiratet und starb im Juli 1946 in Schleswig. Seine sterblichen Überreste wurden nach vorübergehender Bestattung in Schleswig später zu seinen Getreuen von der 3. Marinebrigade auf dem Nordfriedhof in Kiel zur letzten Ruhe gebettet.


"Loewenfeld" im Archiv:

  • Bottroper erstochen
    In der Aegidistraße in Bottrop wurde ein Denunzierter nachts verhaftet und sofort nach der Verhaftung erstochen. Genaues Datum unbekannt, etwa Mitte April 1920, – mitgeteilt von Josef Ernst (Hagen) , der aus Bottrop besonders zahlreiches Material zusammentrug ( Loewenfeld / Lichtschlag ) – in Ernst , S. 66f. – daher Märzrevolution III (1978)
  • Die Marinebrigade Loewenfeld in Bottrop
    Die Marinebrigade Loewenfeld setzte ihren Vormarsch in zwei Abteilungen fort. Die eine ging, teilweise in gepanzerten Zügen herantransportiert, von Norden und Osten gegen Gladbeck vor; nach kleinen Gefechten mit fliehenden Rotgardisten war sie um 11 Uhr im Besitz der Stadt. Sie verhängte das Standrecht und drohte insbesondere für Nichtabgabe von Waffen die Todesstrafe an. Die […]
  • Freikorps morden im Ruhrgebiet
    Hagen, den 6. April, mittags 12 Uhr (Teleph. Bericht) : Im Ruhrgebiet herrscht der weiße Schrecken. Die angekündigte “Polizeiaktion” scheint sich in einen planmäßigen Rachefeldzug der Generäle zu verwandeln. Die Militärs handeln selbständig, ohne sich irgendwie um die Weisungen der Regierung zu kümmern.(…) Der Kommandant des jüngst geschlagenen Freikorps Schulz hat dem Berichterstatter des holländischen […]
  • Gefangene erschossen
    Am 12. April 1920 erklärte eine Abordnung der Bottroper SPD unter Führung eines Steigers bei Mehlich in Münster : ,,Gefangene, die abtransportiert werden sollten, sind nachts, wenn niemand mehr auf der Straße sein darf, erschossen worden. Auch auf Lastwagen abtransportierte Gefangene haben ihren Bestimmungsort nicht erreicht” über Loewenfeld – Lichtschlag in Bottrop  Quelle: In Nachlaß Severing […]
  • Gefoltert und Erschossen in Bottrop
    Der Arbeiter Fritz Schmidt aus Bottrop war verdächtig, an den Kämpfen teilgenommen zu haben; er wurde verhaftet, furchtbar mißhandelt und dann erschossen. Genaues Datum unbekannt, etwa Mitte April 1920, – mitgeteilt von Josef Ernst (Hagen) , der aus Bottrop besonders zahlreiches Material zusammentrug ( Loewenfeld / Lichtschlag ) – in Ernst , S. 66f. – […]
  • Im Wald erschossen
    Ein nicht ganz normaler Afrikakämpfer, Matthias Bißmann , machte an einem zerstörten Panzerauto einige Bemerkungen, worauf er von zwei Zivilisten zum nahen Walde gebracht und dort von Reichswehrtruppen erschossen wurde. Genaues Datum unbekannt, etwa Mitte April 1920, – mitgeteilt von Josef Ernst (Hagen) , der aus Bottrop besonders zahlreiches Material zusammentrug ( Loewenfeld / Lichtschlag […]
  • Leichenberg mit zertrümmerten Köpfen
    Wieviele Menschen von der Marinebrigade Loewenfeld bestailisch ermordet wurden kann man kaum sagen: Ein Arbeiter gab dem Zentralrat in Bottrop zu Protokoll, er habe am 11. April 1920 in der Leichenhalle des Marienhospitals einen Leichenberg von etwa 15 Toten mit zertrümmerten Köpfen gesehen. Protokollierte Aussage von J. Bandzia in VstH 15.4.1920 = FPE 17.4.1920 – in Lucas […]
  • Lied der Marine-Brigade Loewenfeld
    Heiho! Die Schüsse hell der Aufruhr steht in Flammen da sind wir augenblicks zur Stell und hau´n den Feind zusammen Ein jeder ist von uns ein Held im Haß und in der Liebe Wir sind Brigade Loewenfeld hier setzt es deutsche Hiebe Und Pulverdampf und Mädchenkuß erfüllen unser Leben Im Wechsel liegt der Hochgenuß Drum […]
  • Mann in Matrosenkleidung erschossen
    Ein Mann, der durch die Liebrechtstraße in Bottrop in Matrosenkleidung ging, wurde auf Grund dieser Kleidung verhaftet und sofort erschossen. Genaues Datum unbekannt, etwa Mitte April 1920, – mitgeteilt von Josef Ernst (Hagen) , der aus Bottrop besonders zahlreiches Material zusammentrug ( Loewenfeld / Lichtschlag ) – in Ernst , S. 66f. – daher Märzrevolution III […]
  • Marine auf Seiten der Putschisten
    Innerhalb des Reichswehrministeriums stellte sich eine kleine Gruppe sofort der Regierung Kapp-Lüttwitz zur Verfügung, das war die Marine. Der Chef der Marineleitung,  Vizeadmiral von Trotha , gab das schon am 13. März allen Marinestellen bekannt, wobei er die Erwartung aussprach, daß die Marine auch weiter seinen Befehlen folgen würde (1) . Auch die Marineoffiziere im […]
  • Massenhinrichtung in Bottrop
    Bottrop. Nach ihrem Einmarsch in die Stadt setzte die Marinebrigade Loewenfeld gleich zwei Standgerichte ein. Das erste tagte am 6. April von 17 bis 20 Uhr. Allein 14 Mann, die ihm vorgeführt wurden, kamen aus dem Ledigenheim der Zeche ,,Prosper”; hier waren am Vormittag mehrere Lastwagen vorgefahren, die Soldaten hatten sich die Essensliste geben lassen […]
  • Mißhandlungen und Mord in Mühlheim
    Am 6. April, 15 Uhr, wurde in Essen – Holsterhausen (westlicher Arbeitervorort von Essen) der bei Krupp beschäftigte Arbeiter Engelbert Kläs auf dem Weg von der Arbeit nach Hause als Spartakist denunziert und von Mannschaften der Marinebrigade Loewenfeld festgenommen. Kläs war Mitglied der örtlichen Arbeiterwehr gewesen; am 2. April hatte er sein Gewehr auf dem Polizeipräsidium […]
  • Ohne Vernehmung erschossen
    Fritz Oleink aus Bottrop wurde ohne Vernehmung … erschossen. Genaues Datum unbekannt, etwa Mitte April 1920, [vielleicht zwischen dem 3. und 5. April 1920?] – mitgeteilt von Josef Ernst (Hagen) , der aus Bottrop besonders zahlreiches Material zusammentrug ( Loewenfeld / Lichtschlag ) – in Ernst , S. 66f. – daher Märzrevolution III (1978)
  • Standrechtliche Erschiessung von Johann Just
    Bottrop, d. 6.April 1920 – Urteil des Standgerichts des Sturm-Batl. III. Marine Brigade Loewenfeld gegen Johann Just “Just ist nach seinen eigenen Angaben und nach den Zeugenaussagen der Frau Blömer überführt, in der ,,Roten-Armee” mit der Waffe gekämpft zu haben und am Gefecht in Bottrop am 3. April beteiligt gewesen zu sein. Das Urteil des Standgerichts […]
  • Strassenbahner in Bottrop erschossen
    Am 17. April 1920 fuhr eine Straßenbahn in Bottrop versehentlich einen Heuwagen der Marinebrigade Loewenfeld an; durch den Anprall fielen ein Feldwebel und ein Soldat, die auf dem Heu lagen, herunter, worüber einige Zuschauer lachten. Die Truppe ermittelte den Straßenbahner Max Maurer aus Essen-West als Täter. In der folgenden Nacht, gegen 2 Uhr, wurde er […]


  • Mehr zu Loewenfeld