Im Wetter- und Watterwinkel

| 1927

1927 veröffentlichte Severing seine Erinnerugen an seine Tätigkeit im Ruhrgebiet unter dem Titel ,,1919 / 1920 im Wetter- und Watterwinkel”. Als innenpolitischer ,,Wetterwinkel” galt das Ruhrgebiet wegen seiner starken sozialen Gegensätze seit langem ; Watter war der Name des seit Januar 1919 amtierenden Oberbefehlshabers der in Rheinland und Westfalen stehenden Truppen mit dem Sitz in Münster. Severings Buch gibt einen höchst instruktiven Einblick in die Politik und auch in das Selbstverständnis jener SPD-Spitzenpolitiker, die nach der Revolution von 1918 in führende staatliche Positionen aufstiegen. Severing verstand nach seinen eigenen Worten seine Aufgabe im Ruhrgebiet als ,,Rettung des Staatsgedankens vor der hereinbrechenden Anarchie”.

Im allgemeinen war er in den wesentlichen Fragen mit General Watter einig – die eine große Ausnahme in den ersten Tagen nach dem Militärputsch werden wir kennenlernen – , nur wünschte er die ,,Ungeschicklichkeiten” und ,,politischen Taktlosigkeiten” , die ,,Übergriffe” und ,,Disziplinlosigkeiten” der ‘Truppen zu vermeiden. Ein Rezensent des Severingschen Buches, der ehemalige Bergarbeiter, Gewerkschaftssekretär und Reichstagsabgeordnete Heinrich Teuber in Bochum, gab folgende zutreffende Zusammenfassung:

  • ,,Der alte Militär ( Watter ) hätte manchmal lieber ohne langes Verhandeln draufgehauen, fügte sich aber meistens der politischen Einsicht des Reichskommissars ( Severing ). Denn im Grunde waren sie einig: jeder Arbeiter, der sich gegen die Obrigkeit auflehnte, war ein Verbrecher. Nur machte Severing Im Gegensatz zu Watter einen Unterschied zwischen den “Hetzern” und den “Verhetzten”. Wo es anging, trennte er beide, spielte er sie gegeneinander aus. Den Rest besorgte dann Watter mit seinen Truppen und den Kriegsgerichten.”

Severing zeigt sich in seinem Buch erstaunlich un- bzw. falsch informiert nicht: nur über wichtige Vorgänge und Abläufe (z. B. über die Eroberung des westlichen Ruhrgebiets durch die bewaffneten Arbeiter), sondern auch über die Zusammenhänge und Triebkräfte der revolutionären Bewegung.

( in Erhard Lucas . Märzrevolution im Ruhrgebiet Band I )


"Im Wetter- und Watterwinkel" im Archiv:

  • Pension für die Mörder
    Das Reichsversorgungsgericht hatte am 7. Januar 1925 darüber zu entscheiden, ob der Witwe eines Drehers, der sich an den Kämpfen der bewaffneten Arbeiterschaft gegen die Kapp-Truppen beteiligt hatte und hierbei tödlich verwundet worden war, eine Hinterbliebenenrente zu bewilligen sei. Der Ausschuß zur Feststellung von Entschädigungen für Aufruhrschäden in Kiel hatte der Witwe mit Bescheid vom […]
  • Truppenaufmarsch ums Ruhrgebiet
    Das Reichswehrgruppenkommando 1 teilte zu diesem Zeitpunkt (21. März 1920)  den unterstellten Reichswehrdienststellen mit, daß”,erst in einigen Tagen eine einheitliche Aktion unternommen werden kann, weil das Viereck Dortmund , Duisburg , Hagen und Elberfeld  vollständig in Händen der Roten Armee” ist . (vgl. Staats-A. Schwerin , Min. d. I., Nr. 21922, Bl. 89). Bis Ende März wurden Truppenverstärkungen konzentriert […]


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