Einwohnerwehr

| | 1919

Verantwortlich für die Einwohnerwehr in Preußen war der sozialdemokratische Minister des Innern Heine. In den ,,Bestimmungen über die Einrichtung von Einwohnerwehren“ vom 15.9.1919 legte er als Zweck fest:

,,Gegen die mit der schweren Lebensmittelnot zunehmende Unsicherheit in Stadt und Land, gegen die aus dem Anwachsen des Verbrechertums entstehende Gefahr für Leben und Eigentum, gegen bewaffnelen Aufruhr, Plünderungen und Bandendiebstähle sich selbst zu schützen ist Pflicht und Recht der Einwohner Preußens. Für diesen Selbstschutz sind überall Einwohnerwehren zu schaffen.“

Vom Gesetzesanspruch her waren die Wehren freiwillige, unpolitische Selbstschutzverbände, die ,,sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammensetzen, soweit sie auf dem Boden der demokratisch-parlamentarischen Regierungsform und der Verfassung des Reiches und Preußens stehen und Gewaltakte ablehnen. Ganz besonderer Wert muß gelegt werden auf die Mitwirkung der Arbeiterschaft. Es kommt hier jedoch nicht darauf an, möglichst viele, sondern nur unbedingt zuverlässige und entschlossene Mitglieder zu gewinnen.“

,,Etwas“ andere Akzente setzte an dieser Stelle das Leitungsorgan der Einwohnerwehren, die Zentralstelle in Berlin. In ihrem Merkblatt Nr. 4 verwies sie auf ihre guten Erfolge bei der Niederschlagung des Arbeiteraufstandes in Bremen und sprach dann einige Gruppen von Menschen ganz gezielt an. Unter Punkt 21 fand sich die rhetorische Frage: ,,Warum gehört der Geschäftsmann vor allen Dingen in die Einwohnerwehr?“ Nächster umworbener Ansprechpartner war der Beamte. Unentwegt ging es bei den Angesprochenen um den Schutz des Eigentums, abgesehen von den Familienvätern, die Frau und Kind retten sollten.

in: Die Schlacht bei Pelkum , S. 51


"Einwohnerwehr" im Archiv:

  • Albatros-Werft in Hirschgarten angegriffen
    Am 15. März 1920 wurde gegen 13.30 Uhr von ca. 20 bewaffneten Arbeitern die Albatros- Werft in Hirschgarten ( bei Berlin ) angegriffen und die dort stationierten Soldaten entwaffnet. Die alarmierte Polizei konnte durch Verhandlungen mit dem Stadtverordneten Otto Nickel (SPD) nur erreichen, daß dieser zusagte, die Waffen in der 1. Gemeindeschule in der Amtstraße einzulagern. […]
  • Arbeiter auf zu den Waffen
    Arbeiter, auf zu den Waffen! Arbeiter, Genossen! Der Kampf ist auf der ganzen Linie entbrannt. Kapp , Lüttwitz und Noske sind zwar zurückgetreten, aber das System Noske – Lüttwitz besteht weiter. Jetzt muß weitergekämpft werden, bis die Reichswehr, Einwohnerwehr, Zeitfreiwilligen und grünen Sicherheitspolizisten entwaffnet sind und die werktätige Bevölkerung bewaffnet ist. Dieser Kampf muß durchgekämpft […]
  • Bildung einer Arbeiterwehr in Chemnitz
    Ein Aktionsausschuß, gebildet aus den drei Parteien: Sozialdemokraten , Kommunisten und Unabhängigen , hat im Bereich der Stadt Chemnitz und Umgegend die politische Macht und vollziehende Gewalt übernommen. Jede andere Behörde ist diesem Aktionsausschuß unterstellt und hat dessen Anordnungen unbedingt Folge zu leisten. Die Technische Nothilfe und der Bürgerrat werden als aufgelöst erklärt. Die Einwohnerwehr […]
  • Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg
    Bei einer Haussuchung am 15. Januar 1919 wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Wilmersdorf ohne Haftbefehl durch die Einwohnerwehr verhaftet und nach dem Edenhotel. dem Quartier der Gardekavallerie-Schützendivision, gebracht. Nach der amtlichen Darstellung vom 16. Januar wurde Liebknecht auf der Flucht erschossen, Rosa Luxemburg durch eine große Menge gelyncht. ,,Die Transportführer traf kein Verschulden.“ […]
  • Forderungen der drei sozialistischen Parteien in Halle
    Am Donnerstag, dem 18. März 1920, war es nun endgültig mit der Kapp-Lüttwitz-Herrschaft in Halle vorbei, wenn sich auch die losgelassene Soldateska noch eine Woche lang austobte. Zwar machte der Hochverräter Czettritz alle möglichen krampfhaften Anstrengungen, in Halle die ,,Stellung zu halten“, indem er besonders die Verbreitung von. Nachrichten aus dem Reiche gewaltsam unterdrückte. An den Straßenecken prangten […]
  • Märzrevolution in Bochum und Wattenscheid
    Selten genug erfährt ein Mensch mehr von der Bochumer Lokalgeschichte als den „heldenhaften Kampf“ eines heutigen Schützenvereins („Maischützen“) um die Stadtrechte, der gegen Dortmund gewonnen wurde und bis heute als Fußballrivalität kultiviert wird. Der offizielle Umgang mit der Geschichte zu Zeiten des Nationalsozialismus ist hanebüchen – daher sind AntifaschistInnen in erster Linie darum bemüht, die […]
  • Programm der Putschisten
    Reich und Volk sind in schwerer Gefahr. Wir nähern uns mit rasender Geschwindigkeit dem vollkommenen Zusammenbruch des Staates und der Rechtsordnung. Das Volk fühlt nur dumpf das kommende Unheil. Die Preise steigen unaufhaltsam. Die Not wächst. Hungersnot droht. Korruption, Wucher, Schieberei und Verbrechen treten mit immer größerer Frechheit auf. Die autoritätslose, ohnmächtige und mit der […]
  • Waffenstillstands-Vereinbarung hält nur ein paar Stunden
    Um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden, wurde in der Nacht vom Freitag auf Sonnabend ( 19 / 20. März 1920) durch Vermittlung der Militärkommission ein Waffenstillstand mit folgenden Bedingungen geschlossen, der bis zum 20. März, nachmittags 3 Uhr, dauern sollte: Vom 20. März, vormittags 10 Uhr, an wird die Ordnung auf den Straßen und Plätzen von […]
  • Zwanzig Tote und 140 Verwundete in Halle
    Halle , Freitag, den 19. März. Das Militär zog sich in der Nacht vom Marktplatz zurück. In den Straßen der Stadt schien in den Vormittagsstunden Ruhe einzutreten. Plötzlich rückte das Militär wieder bis zum Theater vor und sperrte alle Straßen ab, und es setzte eine wilde Schießerei ein. Der Aktionsausschuß proklamierte die Weiterführung des Generalstreiks, bis […]
  • „Aufklärung“ mit dem Kolben in Sömmerda
    Im März 1920 kämpften die Sömmerdaer Arbeiter heldenhaft gegen den Kapp-Lüttwitz-Putsch. Am 13. März faßten sie den Beschluß, sich am Generalstreik zu beteiligen und bildeten ein Exekutivkomitee mit den Genossen Neubert, Schreiber und Sonntag an der Spitze. Unter Leitung von Fritz Voigt bildete die Arbeiterwehr sechs Züge mit je 40 Mann. Die Einwohner-und Bürgerwehren der […]


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