Kampf vor Trotha II ( Halle )

Kapp-Putsch | 1920

Am Sonntag den 21. März 1920 rückten bei Morgengrauen fast sämtliche verfügbare Mannschaften in die angewiesenen Stellungen, die sich vom Klausberg, der als ein Hauptstützpunkt die rechte Flanke schützte, über die Straße nach dem Krähenberg und dem Galgenberg zog. Schon gegen 5:30 Uhr morgens war das Gefecht in vollem Gange. Die Ausgänge von Halle wurden unter Feuer genommen, in erster Linie aber der Turm des Zoologischen Gartens mit gutsitzendem Maschinengewehrfeuer bedient. Mit dem vorrückenden Morgen steigerte sich das Feuer der Militärbanditen, die inzwischen sämtliche verfügbaren Kräfte an diese Nordfront dirigierten.

Giebichenstein , Saalschoßbrauerei , Zoo , Oberrealschule , Reilkaserne waren gestopft voll von Zeitfreiwilligen und ähnlichen reaktionären Verbrechern, die sämtlich gut ausgerüstet waren. Eine solche Linie anzugreifen, war von vornherein ausgeschlossen. Die Freischaren sollten ihre Stellungen nur halten, da man die Hoffnung hegte, daß am Mittwoch [24.3.] Artillerieverstärkung und neue Mannschaften kamen. Die Mannschaften kamen auch, die Artillerie aber blieb aus, und deshalb mußte schließlich Trotha trotz tapferer Gegenwehr aufgegeben werden.

Gegen Mittag wurde der Galgenberg von der Soldateska angegriffen. Die hier kämpfenden Bernburger Genossen haben sich tapfer gewehrt und den Soldaten trotz aller Ableugnungen des Gamisonkommandos schwere Verluste beigebracht, die einwandfrei beobachtet wurden. Aber die große Übermacht und die schweren Waffen entschieden den Kampf, so daß die Arbeiter sich vom Galgenberg zurückzogen und am Ostausgang von Trotha Stellung nahmen. Die vertierten Soldaten benahmen sich auf dem Galgenberge wie die Teufel und ermordeten die dort liegende: Schwerverwundeten.

Die am Mittag eintreffende Verstärkung der Arbeiter besetzte die Höhen östlich von Trotha, so daß sich die Arbeiter noch vier Stunden hielten. Noch gegen 15:30  Uhr nachmittags wurde auf dem Klausberg ein kühner Handstreich gegen ein Maschinengewehr der Nosketen versucht, das die Arbeiter auf dem Ochsenberg in Kröllwitz beschoß. Dieser Angrif wurde mit Schneid ausgeführt und kostete mehreren Zeitfreiwilligen das Leben. Nur der Mangel an Handgranaten verhinderte einen völligen Erfolg. Zur selben Zeit waren aber bereits vom Militär Panzerautos abgesandt worden, die die schwache Front am linken Flügel der Arbeiter durchbrachen und den Kämpfenden schwere Verluste beibrachten.

Der Flugplatz war auch wieder vom Militär besetzt worden, das dort entsetzliche Greueltaten an den Gefangenen beging. Trotha selbst wurde ebenfalls heftig beschossen. Die Arbeiter zogen sich, als klar wurde, daß nicht genügend Kräfte da waren, um dem Flankenangriff zu begegnen, meist rechtzeitig auf der Straße nach Morl zurück. Die Tapferen, welche den Ausgang von Trotha nach Halle zu und die Mötzlicher Straße gesichert hatten, blieben bis zuletzt an ihren Posten, die sie erst aufgaben, als die Militärbanditen in das Dorf einmarschierten, wo sie sich benahmen wie die Wilden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der Kampf um Trotha seine Bedeutung hatte, weil durch diesen Kampf die Hauptfront am Hettstedter Bahnhof und gegen Ammendorf gerade am entscheidenden Tag entlastet wurde. Nur dadurch war es möglich, trotz des Mangels an schweren Waffen, den Erfolg zu erzielen, daß der Waffenstillstand für die Arbeiterschaft ein ehrenvoller war. Das Militär, das eidbrüchigerweise nachher tobte, als ob es aus dem Tollhause entsprungen war, hat sich leicht des Erfolges in Trotha zu rühmen. Die Leistung der Genossen, die dort im Kampfe standen, war eine große, wenn man alle Umstände mit in Betracht zieht. Die feigen Zeitfreiwilligen hätten nicht so viele Stunden in schwerem Feuer im Gefecht ausgehalten ohne zureichende Waffen und ohne zureichende Munition. Die reaktionäre Soldateska hat zumindest in diesen Tagen lernen müssen, daß mit einem Volk in Waffen nicht mehr Schindluder getrieben werden kann.

in: Der Kampf vor Trotha“, Schilderung der Kämpfe. Volksblatt Halle , vom 1. April 1920, Beilage. Ohne Unterschrift. – zitiert nach Der Kapp-Lüttwitz-Ludendorff-Putsch – Dokumente (2002)