Judenhass in Dortmund

Ein besonders detaillierter Bericht ( von Antisemitismus im April 1920 ) liegt über Dortmund vor, der folgendes verzeichnet:

Hakenkreuze auf Häuserwänden, Schaufenstern und auf den Eckpfeilern am Eingang der Synagoge; Verteilung antisemitischer Flugblätter; Prügeleien in Lokalen mit jüdisch aussehenden Gästen; ein Offizier erscheint in der Redaktion des liberalen Lokalblatts und ohrfeigt einen Redakteur; zu einem späteren Zeitpunkt rote Hakenkreuze auf jüdischen Grabsteinen und das Auftauchen von Gerüchten über Ritualmorde der Juden; ein jüdischer Kaufmann wird von einem Vizefeldwebel verhaftet — er habe Hakenkreuze auf Häuserwände gemalt — und wird auf der Wache zusammengeschlagen (später kommt heraus, daß der Vizefeldwebel selber die betreffenden Hakenkreuze gemalt hatte); als zwei jüdische Jungen antisemitische Klebezettel von den Wänden einer Brauerei abkratzen, werden sie verhaftet und beschimpft: ,,Judenpack, Schweinehunde!“ (auch Schaulustige beteiligen sich).

Beschwerden des Rabbiners, der selbst Beschimpfungen auf offener Straße ausgesetzt ist, führen zu einem Dienstbefehl von General Haas , der nichts bewirkt; der Staatsanwalt lehnt in einem Fall die Verfolgung ab mit der Begründung, der Betreffende, Mitglied der Akademischen Wehr München , scheide ohnehin aus der Truppe aus.

Soldaten äußern, es sei ihnen verboten, bei Juden zu kaufen, und: ihre Aufgabe hier sei, Kommunisten und Juden , was dasselbe bedeute, ,,auszurotten“. All diese Propaganda und diese Aktionen, so schließt der Bericht, der etwa zwei Monate nach Abzug der Bayern verfaßt ist, hätten ,,tiefe Spuren hinterlassen, besonders bei der Jugend der höheren Schulen, wo sich für die jüdischen Schüler teilweise unerträgliche Zustände herausgebildet haben“.

Quelle : Nachlaß Severing A 3 ; Vgl. Zuschrift in Do GA , 14.4.1920 ; Do GA , 16.4.1920 , Dringlichkeitsantrag der SPD-Fraktion in Stvv-Vers. Dortmund , zitiert in VstH 3.6.1920 – bei Erhard Lucas : Märzrevolution III (1978)