Hugo Stinnes an den Minister für Wiederaufbau

Kapp-Putsch | Weimarer Republik | 1920

„Es ist das Zeichen einer wahren Demokratie, daß sie in Zeiten der Todesgefahr ihren Diktator findet.  Auch England und Frankreich taten das. Wenn Deutschland anders handelt in der heutigen Lebensgefahr, wird es kaum wieder hochkommen. Es muß gehandelt, nicht verhandelt werden. Es tut mir leid, Ihnen keine andere Entschließung mitteilen zu können, Ihrem Rufe würde ich gerne unter anderen Umständen gefolgt sein.“

Mit hochachtungsvollem Gruß Ihr ergebener
Hugo Stinnes –

(Vorher hatte Stinnes noch geschrieben: „Erst wenn in Deutschland das Reichswirtschaftsministerium, das Reichsfinanzministerium, das Auswärtige Amt, das Arbeitsministerium und das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten resp. die deutschen Eisenbahnen einem einheitlichen festen Willen unterstehen, ist für mich die Möglichkeit gegeben, Aufträge entgegenzunehmen, wie Sie sie mir zugedacht hatten…“)

Offensichtlich war Stinnes über die Umsturzvorbereitungen von Kapp und Lüttwitz informiert, denn er stand mit Kapp im regen Gedankenaustausch über politische Fragen. Eine direkte Bezugnahme auf den bevorstehenden Staatsstreich findet sich jedoch in dem vorliegenden Briefwechsel nicht. (Stinnes lehnt hier ab, für die deutsche Regierung in Paris zu verhandeln) Die Verbindung zwischen Kapp und Stinnes riß auch nach dem gescheiterten Putsch nicht ab, denn Kapp weilte während seines schwedischen Exils mehrfach in dem Landhaus von Stinnes.

Hugo Stinnes an den Minister für Wiederaufbau Otto Geßler Mülheim / Ruhr, 23. Januar 1920. BundesA Koblenz, Nachlaß Geßler, Nr. J8, nicht foliiert. Brief. Unterzeichnet Hugo Stinnes, eigenh., Ausf. (l). – (1) Geßler, Otto, Reichswehrpolitik in der Weimarer Zeit, Stuttgart 1958, S. 62 f. –
zitiert aus Arbeitereinheit rettet die Republik (1970)