Forderungen der Bremer Revolutionäre

Bremer Räterepublik | 1918

Der durch die ungeheuren Schläge des Entente-Imperialismus einerseits und durch die zersetzende Wirkung der bolschewistischen Bewegung andererseits bewirkte Zusammenbruch des deutschen Imperialismus hat eine allgemeine Volksbewegung für den Frieden ausgelöst. Diese Volksbewegung ist im Begriff, zu einer Klassenbewegung zu werden. Die Träger dieser Entwicklung sind die Vertreter der bürgerlich-sozialdemokratischen Reaktion auf der einen Seite, auf der andern Seite die Vertreter der Kampfmethoden der bolschewistischen Revolution.

Die Volksbewegung droht, in zwei gegensätzliche Teile zu zerfallen und eben durch diesen Zerfall zu einer Klassenbewegung zu führen. Und erst auf dieser Stufe beginnt die wirkliche Gefahr für den Fortbestand des Kapitalismus, der Klassenherrschaft des Bürgertums.

Nicht die Revolution ist in Gefahr, die allgemeine Volksbewegung, das Bürgertum, der Kapitalismus sind in Gefahr. Aus diesen Erkenntnissen heraus stellt die Versammlung an alle Vertreter des revolutionären Proletariats, insbesondere an diejenigen, die in den von der Volksbewegung eingesetzten Institutionen tätig sind, die Forderung: in den von der Volksbewegung geschaffenen Organen, insbesondere in den Arbeiter- und Soldatenräten eine schroffe Herausarbeitung aller proletarisch-revolutionären Forderungen, den offenen Widerstand des gesamten Bürgertums einschließlich der Sozialpatrioten zu erzwingen, die Klasseninteressen des Proletariats so rücksichtslos und diktatorisch zu vertreten, daß das Bürgertum genötigt wird, dem eine ebenso schroffe Politik entgegenzustellen.

Die im Kaffee Flora tagende Volksversammlung vom 22. November verlangt, daß die Vertreter des revolutionären Proletariats, die noch in den von der allgemeinen Volksbewegung eingesetzten Institutionen tätig sind, folgende Forderung erheben:

  1. die sofortige Bewaffnung der gesamten industriellen Arbeiterschaft zum Zweck der Bildung kommunistischer Arbeiter-Garden
  2. die sofortige Entwaffnung aller nicht rein proletarischen Elemente
  3. die sofortige Entfernung aller nicht rein proletarischen Elemente, das heißt also, aller Bürgerlichen und Sozialpatrioten aus allen von der allgemeinen Volksbewegung eingesetzten Institutionen
  4. die sofortige Zurückgabe von Betrieb und Redaktion der Bremer Bürger-Zeitung an die Organisation der Linksradikalen in Bremen, die allein die Klasseninteressen des revolutionären Bremischen Proletariats vertritt
  5. die sofortige Beschlagnahme der gesamten Papiervorräte der bürgerlichen Presse zu dem Zweck, die Arbeiterpresse vor Papiernot zu schützen
  6. die sofortige Beschlagnahme aller privaten Lebensmittelvorräte der Groß-Bourgeoisie
  7. die sofortige und restlose Entfernung folgender Instanzen des alten Regimes:
    a) des Senats und der Bürgerschaft
    b) der Schutzmannschaft
    c) der gesamten Kriminalpolizei

Von Knief in einer öffentlichen Volksversammlung, in der er referierte, als Antrag eingebracht, wurde das Aktionsprogramm ohne Diskussion von den Versammlungsteilnehmern angenommen. — 22. November 1918 – 

in: Der Kommunist , 27. November 1918 — abgedruckt in Revolution und Räterepublik in Bremen (1969)