Arbeiter- und Soldatenrat

| 1918

Nach der Revolution 1918 waren SPD, USP und Spartakusbund die entscheidenden Faktoren in den Arbeiter- und Soldatenräten. Diese wurden in den Tagen des Umsturzes gebildet wurden, und zwar in der Regel durch Absprachen der Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre. Entsprechend dem Stärkeverhältnis der Parteien erlangte die SPD in fast allen Städten die Mehrheit In den Räten. Die USP war führend nur in den wenigen radikalen Zentren: Düsseldorf , Solingen , Remscheid , Hagen ; in Elberfeld und Barmen teilten sich beide Parteien die Sitze paritätisch. Spartakus-Vertreter gelangten nur vereinzelt In die Räte.

Die zurückkehrenden Soldaten verstärkten die herausragende Stellung der SPD noch. Die innerparteiliche Auseinandersetzung vor der Abspaltung war ja nur von jener Minderheit von Parteimitgliedern geführt worden, die nicht eingezogen waren; die im Felde stehenden Soldaten, waren über die Differenzen nur unzureichend informiert, vermuteten als Grund der Spaltung in der Regel mehr persönlich motivierten Parteikrach und strömten nach der Entlassung überwiegend in die SPD, in der sie die „alte“ Partei sahen.

Die Tätigkeit der Arbeiter- und Soldatenräte muß man begreifen auf dem Hintergrund der alten sozialdemokratischen Trennung von Partei (Politik) und Gewerkschaften (Wirtschaft und Betriebe). Die Arbeiter- und Soldatenräte verstanden sich als „politische“ Räte, befaßten sich also wenig oder gar nicht mit den Verhältnissen In den Betrieben, die sie als Sache der Gewerkschaften betrachteten, und zwar um so ausgeprägter, je stärker die SPD die Mehrheit in den Räten hatte. Die Räte waren schon von ihrer Entstehung her (durch Funktionärsabsprachen) nicht die Vertretung der Zechenbelegschaften, bei ihrer Abstinenz von „gewerkschaftlichen“ Fragen erfuhren sie die Bewegung (Streik Ende 1918) unmittelbar nur als Problem für ihre Polizeihoheit, nach ihrer politischen Zusammensetzung mußten die Räte … die Bewegung inhaltlich mißbilligen.

Eine auffällige Ausnahme machte der Arbeiter- und Soldatenrat in Mülheim , Hochburg der Syndikalisten im Ruhrgebiet. Hier zogen denn auch die SPD-Vertreter bereits Mitte Dezember 1918 aus dem Rat aus… Um die Jahreswende traten unter dem Druck der Streikbewegung die SPD-Vertreter im Hamborner Rat zurück, in Oberhausen wurde der Rat von demonstrierenden Bergarbeitern abgesetzt. Die neuen Arbeiterräte in diesen beiden Städten waren rein linksradikal, die ersten Räte im Ruhrgebiet, die unmittelbar aus einer Massenbewegung hervorgingen.

(nach Erhard Lucas : Märzrevolution im Ruhrgebiet Band I )


"Arbeiter- und Soldatenrat" im Archiv:

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  • Arbeiter- und Soldatenrat regiert in Bremen
    Bekanntmachung. Der Arbeiter- und Soldatenrat hat die Ausübung der politischen Gewalt im Bremer Staatsgebiet übernommen. Senat und Bürgerschaft bestehen nicht mehr. Das Bremische Staatsgebiet bildet künftig einen Bestandteil der deutschen Volksrepublik. Über die weitere Gestaltung der Verhältnisse entscheiden die später zu schaffenden gesetzgebenden Körperschaften. Für Ruhe und Ordnung wird Gewähr geleistet. Jeder gehe seinem Beruf […]
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    An die Rückkehr des Infanterie-Regiments 75 haben sich allerhand törichte Gerüchte geknüpft, die zu großer Beunruhigung der Bremer Bevölkerung führten. Diesen Gerüchten nach Möglichkeit entgegenzuwirken, hält das Infanterie-Regiment 75 ebenso wie der Arbeiter- und Soldatenrat Bremens für pflichtgemäß, anderenfalls könnten die peinlichsten Vorkommnisse die Feier der Rückkehr stören. [. . .] Der Ausschuß des Soldatenrates […]
  • Arbeiter- und Soldatenrat will sich nicht auflösen lassen
    Die Versammlung nimmt Kenntnis von der schon am 19. Januar stattfindenden Wahl zur Nationalversammlung. Die Versammelten stehen nach wie vor auf dem Standpunkt der sozialistischen Republik und versprechen, mit allen Mitteln dahin zu arbeiten, daß dieselbe verwirklicht wird. Den vom Rätekongreß angenommenen Beschluß, daß die Nationalversammlung über das Fortbestehen der Arbeiter- und Soldatenräte entscheiden soll, […]
  • Auf zum Kampf!
    An die Bremer Arbeiterschaft! Kampf der Revolution lautet die Parole der Gegner derselben. Der Arbeiter- und Soldatenrat soll abgesetzt werden. Die Offiziere des Feld-Regiments Nr. 75 sind von den Reaktionären Bremens bestimmt worden, die alte Herrschaft wieder aufzurichten. Auf zum Kampf! Sammelpunkt Kasernenhof, heute abend 6 Uhr. Der Arbeiter- und Soldatenrat Flugblatt , am Nachmittag […]
  • Aufruf an die Arbeiter und Soldaten November 1918
    In Anbetracht dieser Lage überhaupt, in Deutschland im besonderen ergeben sich für das Proletariat folgende Gegenwartsforderungen: Zur Erzwingung und Übernahme der politischen Gewalt bilden die Arbeiterräte die Grundlage in Verbindung mit den Soldatenräten. Ein aus dem Arbeiterrat gewählter Aktionsausschuß muß durch Unterkommissionen sich der Ressorts der bisherigen Verwaltungsbehörden bemächtigen. Die Polizeitruppe muß sofort entwaffnet und […]
  • Aufruf des Arbeiter- und Soldatenrates Bremen 1918
    An die Bevölkerung Bremens! Soldaten, Arbeiter, Parteigenossen! Was hat sich ereignet? Nichts Geringeres als eine Revolution. Ihr Produkt sind die Arbeiter- und Soldatenräte. Über die Aufgabe der Räte kann kein Zweifel sein: Ausbreitung, Sicherung und Vertiefung der Revolution. Die ganze Macht in die Hände der Arbeiter- und Soldatenräte. Sturz der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und damit Aufhebung […]
  • Demonstrant in Gladbeck getötet
    Während die Hamborner einen neuen Anlauf nahmen, erlosch der Streik zunächst In den Nachbarorten Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld . In Bottrop dagegen spitzte sich die Streiklage vorübergehend zu, als der mehrheitlich sozialdemokratische Arbeiter- und Soldatenrat versuchte, den Streik mit Militär einzudämmen, das er vom Bezirks-Soldatenrat Recklinghausen erbeten hatte. Blutige Zusammenstöße konnten gerade noch von herbeieilenden […]
  • Drohender Zusammenbruch der Gasversorgung
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    Der Arbeiter- und Soldatenrat Bremen erblickt in der Einberufung einer Nationalversammlung nicht eine Befestigung, Vertiefung und Ausbreitung der Revolution, deren Ziel die sozialistische Republik ist, sondern ein gefährliches Hindernis für sie. Der Arbeiter- und Soldatenrat Bremen erklärt sich deshalb gegen die Einberufung einer Nationalversammlung, er fordert dagegen die Einberufung einer Vollversammlung von Vertretern der deutschen […]
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    Mit Beziehung auf die in der heutigen Ausgabe der Bremer Bürger-Zeitung gebrachte Mitteilung über einen Konflikt zwischen Senat und A.- und S.-Rat weise ich ergebenst darauf hin, daß die früher vom Senat erledigten Regierungsgeschäfte bekanntlich zurzeit von dem Gemeinschaftlichen Ausschuß ( Zwölfer-Ausschuß ) beraten und entschieden werden. Dieser Ausschuß hat noch keine Gelegenheit gehabt, zu […]
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  • Massendemonstration in Bremen
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