Die Gründung des Spartakusbundes

In den ersten Tagen der Revolution hatten sich in allen Teilen Deutschlands die Angehörigen der Spartakusgruppe und andere linke Kräfte als die konsequentesten Revolutionäre erwiesen. Doch hatte ihr Heldentum das Fehlen einer revolutionären Partei nicht zu ersetzen vermocht. Ein Weiterführen der Revolution war unmöglich, wenn es nicht gelang, den Arbeitern und Soldaten Klarheit über das Erreichte und über die nächsten Aufgaben im revolutionären Kampf zu vermitteln. Die Ereignisse hatten gezeigt, daß die Zusammenfassung der bewußtesten Arbeiter und Soldaten in einer revolutionären Partei erforderlich war, um den Kampf siegreich zu beenden.
Bisher bestanden nur wenige Gruppen der Spartakusbewegung. Sie waren nur lose miteinander verbunden und handelten weitgehend selbständig. Am 11. November beschlossen die Vertreter der Spartakus-puppe im Hotel Excelsior in Berlin, die Spartakusgruppe in den Spartakusbund umzuwandeln. An dieser Beratung nahm auch Rosa Luxemburg teil, die am 8. November aus der Haft befreit worden war. Zar Leitung der revolutionären Massenarbeit wurde eine Zentrale aus 13 Genossen gebildet.

Dieser Zentrale gehörten an:

  • Willi Budich
  • Hermann Duncker
  • Käte Duncker
  • Hugo Eberlein
  • Leo Jogiches
  • Paul Lange
  • Paul Levi
  • Karl Liebknecht
  • Rosa Luxemburg
  • Franz Mehring
  • Ernst Meyer
  • Wilhelm Pieck
  • August Thalheimer

Obwohl führende Vertreter der Spartakusgruppe, wie Fritz Heckert und Franz Mehring, schon vorher für die Gründung einer selbständigen Partei eingetreten waren, beschlossen die Versammelten, daß der Spartakusbund als geschlossene Propagandavereinigung weiterhin der USPD angehören sollte. Vor allem Leo Jogiches und Rosa Luxemburg waren der Meinung, daß die revolutionäre Bewegung eine Linksentwicklung in der USPD bewirken werde und sie durch die Tätigkeit des Spartakusbundes zu einer revolutionären Partei umgestaltet werden könne. Obwohl der Spartakusbund in der USPD verblieb, begann mit der Herausgabe einer eigenen Zeitung und mit dieser Beratung die unmittelbare Vorbereitung für die Schaffung einer selbständigen revolutionären Partei.

Die Teilnehmer der Beratung vom 11. November beschlossen, für „Die rote Fahne“ eine Redaktion unter Leitung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs einzusetzen, ein Zentralbüro mit verschiedenen Sekretariaten zu bilden und die Spartakusanhänger im ganzen Lande organisatorisch zu sammenzufassen. Die Reichsagitation wurde Leo Jogiches übertragen, diese Arbeit im Bereich von Groß-Berlin Wilhelm Pieck und die Agitation unter der Jugend und den Frauen Hermann und Käte Duncker. Willi Budich wurde für die Agitation unter den Soldaten verantwortlich gemacht und Hugo Eberlein für die Geschäftsführung.

Zur Verbesserung der Agitation sollten Zeitungen für die Jugend, die Frauen und die Soldaten sowie eine theoretische Wochenschrift und eine Zeitungskorrespondenz herausgegeben werden. Außerdem wurde auf Anregung von Leo Jogiches die Gründung eines Roten Soldatenbundes beschlossen.

Die Forderungen

  • Ausbau und Wiederwahl der Arbeiter- und Soldatenräte, um damit den bewußten Prozeß der Selbstverständigung der Massen über Ziele, Aufgaben und Wege der Revolution zu beschleunigen
  • Unterstützung der Betriebsrätebewegung, um die Kontrolle der Produktion durch die Arbeiterklasse zu sichern
  • Einberufung eines Reichsparlaments der Arbeiter und Soldaten, das die politische Macht in seine Händ nehmen und die Aufgaben zur Sicherung und Entwicklung der sozialistischen Revolution festlegen sollte
  • Unverzügliche Organisierung von Räten der Landarbeiter und Kleinbauern
  • Bildung einer proletarischen Roten Garde und Schaffung einer Arbeitermiliz durch Bewaffnung des Proletariats zur Niederhaltung der sich organisierenden Organe des reaktionären Polizeistaats, der Verwaltung, der Justiz und der Armee
  • Konfiskation der dynastischen Vermögen und Besitzungen sowie des Großgrundbesitzes als vorläufige erste Maßnahme zur Sicherung der Volksernährung
  • Wiederherstellung der Beziehungen zu Sowjetrussland, dem siegreichen Vortrupp der Weltrevolution, und engstes Zusammenwirken im Kampf gegen den Weltimperialismus
  • Sofortige Einberufung eines Arbeiterweltkongresses nach Deutschland, um den internationalen Charakter der Revolution scharf und klar zu betonen.

in: Illustrierte Geschichte der Novemberrevolution