Der Teufel in Deutschland

Revolution 1848 | | 1847

Nach Deutschland kam einmal der Teufel
Um häuslich nieder sich zu lassen
gebt Arbeit mir!“ hört man ihn rufen,
gebt Arbeit mir in vollen Massen!

Man gab den Pflug ihm in die Hand
und siehe da: in zehn Minuten
hat er zehn Äcker umgewandt
von nah an hunderttausend Ruten

Mehr Arbeit her!“ schreit er voll Grimm
Arbeit so recht in vollen Massen
Da pflastert er an einem Tag
sechs Plätze und zwölf breite Gassen

Dem hochwohlweisen Rat der Stadt
ward vor dem Ruhelosen bange
und sann und sann bis endlich sprach
der dicke Bürgermeister Zange

Gebt eilig bei der Polizei
dem Pferdefüßler eine Stelle
da ist gewiß in seinem Amt
der horngekrönte Sohn der Hölle

Die Herren stimmten alle ein
und eh vergangen eine Stunde
ward unser Meister Urian
mit Polizeiern in dem Bunde

Hier mußt er Pässe nun visieren
Und spür´n nach Schriften, die verboten
Kaum war ein Kerl im Hundeloch,
So ward ein zweiter eingeschroten.

Bald kamen Leute, die verdächtig
Und Handwerksburschen ohne Bündel
Da hieß es: „Her, das Wanderbuch
Und: „Marsch fort! liederlich Gesindel!“

So — keine Ruh bei Tag und Nacht
Hat Arbeit nun der arme Teufel
Erhalt uns Gott die Polizei
Sie ist sehr nützlich, ohne Zweifel

Text:Theodor Drobisch. Geboren 1811 in Dresden, wo er auch zumeist als Redakteur und Schriftsteller bis zu seinem Tod im Jahr 1882 tätig war. Verfasser zahlreicher Humoresken und Satiren; 1848 erschienen zwei Gedichtbände von ihm.