Das Ruhrgebiet vor der Revolution von 1918

Vorgeschichte Novemberrevolution | 1918

Die Revolte der Matrosen und Soldaten vom November 1918 fand im Ruhrgebiet so gut wie keinen Widerstand. Das überrascht nicht, hatte doch die preußische Militärverwaltung aus Sorge vor roter Infizierung der Truppe nur eine einzige Garnison im Revier errichtet, In Mülheim, dem ,,rheinischen Potsdam“. Und auch das hier liegende Reserveregiment schloß sich sofort der revolutionären Bewegung an; eine Gruppe von Soldaten hatte bereits seit Wochen Kontakt mit den Mülheimer Linksradikalen. Das ganze Revier war seit Monaten der Unterschlupf von Deserteuren, die nun das Auftauchen der revolutionären Matrosen und Soldaten als Ende ihres illegalen Daseins begrüßten. Ein letzter Versuch des Kommandierenden Generals in Münster, mit eilig aus der Westfront gezogenen Elitetruppen die Bewegung zu ersticken, zerschlug sich – es gab einfach keine ,,zuverlässigen“ Truppen mehr.

Das erste Ergebnis der siegreichen Soldatenbewegung war die Bildung von örtlichen Arbeiter- und Soldatenräten. Das waren Gremien, deren Zusammensetzung meist zwischen den Funktionären der Arbeiterorganisationen (Parteien und Gewerkschaften) ausgehandelt wurde. In der Regel erklärten sich die Räte zum obersten Hobeitsorgan auf lokaler Ebene, organisierten einen Sicherheitsdienst mit Polizeifunktionen aus den revolutionären Soldaten und kontrollierten die wichtigsten Zweige der Kommunalverwaltung.

Diese Vorgänge, die bei den üblichen Darstellungen der Novemberrevolution im Mittelpunkt stehen, entsprachen den Verhältnissen im übrigen Deutschland. Die besondere Entwicklung des Ruhrgebiets setzt da ein, wo die Arbeiterschaft in Bewegung kam und auf ihre ökonomische Situation aufmerksam machte. Der entscheidende Industriezweig war – bei der Wirtschaftstruktur des Reviers selbstverständlich – der Kohlenbergbau. Um die Bergarbeiter kümmerten sich vier Gewerkschaften mit insgesamt ca. 250.000 Mitgliedern.

in Erhard Lucas – Märzrevolution im Ruhrgebiet , Band I