Bremens Wirtschaftsleben soll sich wieder entfalten

Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Bremer Räterepublik gibt die neue provisorische Regierung in der noch vom Militär besetzten Stadt folgende Erklärung ab:

An die Bevölkerung Bremens!

Seit dem 10. Januar stand Bremen unter der Gewaltherrschaft einer kleinen Minderheit. Der Wille der Volksmehrheit wurde unterdrückt, die Presse in einer bis dahin in Deutschland unerhörten Weise geknebelt, der von der Gesamtheit der Arbeiterschaft gewählte Arbeiterrat entrechtet, die Waffen aus der Hand derer, denen sie gebühren, in unberufene Hände gegeben, das Privateigentum mißachtet, die Freiheit der Person verletzt. Tausende von Arbeitern mit Waffengewalt an der Arbeit gehindert.

Dieser Miß- und Gewaltherrschaft war es vorbehalten, das erste Blutvergießen in Bremen herauf zubeschwören. Damit nicht genug, haben sich die Gewalthaber offen gegen die Reichsregierung aufgelehnt, unbekümmert um die Gefährdung der deutschen Einheit, unbekümmert darum, daß unsere Feinde einem bolschewistischen Deutschland weder Frieden noch Brot gewähren werden, unbekümmert auch um die Zukunft Bremens, das vom In- und Ausland als Hochburg des Terrors, als Feind der Freiheit geächtet, dem wirtschaftlichen Untergang entgegenging.

Das Versprechen einer bremischen Nationalversammlung war nur taktisches Manöver, das haben die maßgebenden Führer selbst erklärt. In Wahrheit sollte am Rätesystem festgehalten werden, Bremen in einer bolschewistischen nordwestdeutschen Republik aufgehen. Mit überwältigender Mehrheit hat Bremens Bevölkerung am 19. Januar gegen eine solche Diktatur entschieden. Getragen von diesem Willen des Volkes, erklärt im Auftrage der Reichsregierung die von dieser eingesetzte provisorische Regierung den Rat der Volksbeauftragten und den Vollzugsrat für abgesetzt, die Volkskommissariate und den Arbeiterrat für aufgehoben. Die provisorische Regierung wird unverzüglich nach demo-kratischen Grundsätzen eine verfassungsgebende bremische Nationalversammlung berufen!

Diese allein wird über Bremens Zukunft entscheiden, sie wird eine Regierung, die die Vollstreckerin des Volkswillens ist, einsetzen und die Verwaltung neuordnen. Freiheit der Presse, Freiheit der Person, Sicherheit des Eigentums werden gewährleistet. Ungehemmt soll Bremens Wirtschaftsleben sich wieder entfalten können.

Männer und Frauen Bremens! Alle, die der freiheitlichen Entwicklung dienen und die Erfolge der Revolution sichern wollen, werden aufgerufen, an der Wiederherstellung von Ordnung und Sicherheit am staatlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Wiederaufbau Bremens mitzuarbeiten. Ans Werk! Zum Wohle des Volksganzen!

Bremen, im Februar 1919
Die provisorische Regierung; Rhein . Dammer . Deichmann . Wellmann . Winkelmann –

Bekanntmachung der provisorischen Regierung (veröffentlicht am 5. Februar 1919) — in Protokoll der Sitzungen des Arbeiter- und Soldatenrats in Bremen . Sitzung 3. Februar 1919, [Nachtrag] Seite 88) — abgedruckt in Revolution und Räterepublik in Bremen (1969)