Ausweisung der Sowjetrussischen Botschaft

Novemberrevolution 1918/19 | | 1918

Zur konterrevolutionären Politik der Reichsregierung gehörte auch die gegen die sowjetrussische Botschaft in Berlin gerichtete Provokation vom 4. November. Schon seit Tagen hatten Regierungskreise nach Mitteln und Wegen gesucht, um die diplomatischen Vertreter der Sowjetregierung aus Deutschland zu entfernen. Scheidemann hatte auf der Sitzung der Staatssekretäre am 28. Oktober einen Vorschlag unterbreitet, der dann auch eine Woche später prompt zur Ausführung gelangte. Am 4. November ging eine Kurierkiste der sowjetrussischen Botschaft auf dem Bahnhof Friedrichstraße planmäßig entzwei. Es kamen Flugblätter zum Vorschein, die zum Sturz der deutschen Regierung aufriefen.Die „Leipziger Volkszeitung“ sprach schon damals die Vermutung aus, daß die „Zettel“ in die Kiste „hineinpraktiziert waren“.

Das sowjetrussische Botschaftspersonal wurde aus Deutschland ausgewiesen und mußte am 6. November Berlin Hals über Kopf verlassen. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Sowjetrußland war ein Schlag gegen das deutsche Volk. Die Konterrevolution wollte verhindern, daß sich die in Deutichland entwickelnde Revolution mit dem ersten Arbeiter-und-Bauern-Staat der Welt direkt verband.

Das Kriegskabinett glaubte gleichzeitig, die Entente mit dieser antisowjetischen Politik für die bevorstehenden Waffenstillstandsverhandlungen günstig stimmen zu können. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Solf, brachte diese Absicht mit den Worten zum Ausdruck, daß „die Bekämpfung der Bolschewisten … ein gemeinsames Band für die jetzt feindlichen Länder bilden“ werde. Vom eirten Tage der Existenz des Sowjetstaates an hatte sich der deutsche Imperialismus als schlimmster Feind der Sowjetmacht erwiesen. Seine Rolle als
Stoßtrupp des Weltimperialismus gegen die Sowjetmacht wollte er auch weiterhin spielen. Mit dieser antibolschewistischen Visitenkarte begaben sich Matthias Erzberger und die anderen Mitglieder der deutschen Waffenstillstandskommission am 6. November nach Compiègne, um die Waffenstillstandsbedingungen der Entente entgegenzunehmen.

Protokoll 28. Oktober 1918
Protokoll 28. Oktober 1918 – abgedruckt in Illustrierte Geschichte der Novemberrevolution

in Illustrierte Geschichte der Novemberrevolution