Auf zum Generalstreik (Berlin)

Auf zum Generalstreik !

An alle Arbeiter, Angestellten und Beamte! Männer und Frauen!
Die militärische Reaktion hat ihr Haupt von neuem erhoben und in Berlin die Gewalt an sich gerissen. Pflichtvergessene Reichswehrtruppen sind hier unter Führung meuternder Offiziere  einmarschiert und haben sich neben der vom Volk gewählten Regierung eine illegale Gewalt angemaßt. Die Reaktionäre haben die Nationalversammlung und die Preußische  Landesversammlung als aufgelöst erklärt und schicken sich an, auch die Errungenschaften der Revolution vom November 1918 zu beseitigen.

Die deutsche Republik ist in Gefahr. Der Absolutismus sowohl im Staat als auch im Betrieb soll wiederhergestellt werden. Das Koalitionsrecht, jene unerläßliche Voraussetzung alles sozialen Aufstiegs, wird beseitigt, jede Meinungsfreiheit unterdrückt. Damit kehren auch alle reaktionären Zustände zurück, mit denen das deutsche Volk im November 1918 glücklich aufgeräumt hatte. Der Achtstundentag, die gesetzlichen Betriebs- und Beamtenvertretungen, die Besoldungsreform für die Beamten, der Ausbau des Arbeiter-und Beamtenrechts, der Reichslohntarif für die Eisenbahnarbeiter, das soziale und wirtschaftliche Mitbestimmungsrecht aller Arbeitnehmer, wie der gesamte Arbeiterschutz ist bedroht.

Lasse sich kein denkender Arbeiter, Angestellter und Beamter durch zweifelhafte Versprechungen der Putschregierung betören. Es gilt, alle Kräfte des Volkes zum Widerstand zusammenzufassen. Das Volk wäre nicht wert der Freiheiten und Rechte, die es sich erkämpft hat, wenn es sich nicht bis zum äußersten verteidigen würde.

Wir fordern daher alle Arbeiter, Angestellten und Beamten zum einmütigen Protest gegen die Gewaltherrschaft auf, überall sofort in den Generalstreik einzutreten. Alle Betriebe müssen stillgelegt werden. Ausgenommen sind nur die Wasserwerke, Krankenhäuser und Krankenkassen. Die örtlichen zuständigen Vertretungen der Arbeitnehmerschaft werden darüber entscheiden, in welchen sonstigen lebensnotwendigen Betrieben die Arbeit fortgesetzt werden darf.

Der Abwehrkampf der Arbeitnehmerschaft muß ein gewaltiger und erdrückender werden. Deshalb darf sich kein Beruf und keine Gruppe davon ausschließen. Jeder Einzelne tue seine Pflicht. An dem geschlossenen Widerstand des Volkes muß die Reaktion scheitern. Ihre Machtmittel werden in Kürze versagen. Der Sieg wird auf selten des arbeitenden Volkes sein.“

Aufruf des ADGB und der Afa zum Generalstreik (In Berlin bildeten sich auf Grund unterschiedlicher politischer Konzeptionen im Kampf gegen die Militärdiktatur 2 Streikleitungen. Die Berliner Zentralstreikleitung bestand aus Vertretern der KPD, der USPD, der Berliner Gewerkschaftskommission und der revolutionären Betriebsträte. Vertreter von ADGB , Afa , Deutschem Beamtenbund und SPD bildeten eine eigene Streikleitung)

Berlin, 13. März 1920. Mus. f. Dtsch. Gesch., Sektor Dokumente, Do 55/1085. Unterzeichnet: Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände. Für den Inhalt verantwortlich: C. Legien , S. Aufhäuser . Flugbl. in Arbeitereinheit rettet die Republik